Mindestlohn für Azubis – wann wird er eingeführt?

Mindestlohn für Azubis - was wird sich ändern?

Die Bundestagswahlen sind nun schon seit einem halben Jahr Vergangenheit. Trotzdem hält uns alle das Thema weiterhin auf Trab. Wer wird Deutschland zukünftig regieren und was wird sich unter der neuen Regierung verändern?
Nun gibt es aller Voraussicht nach wieder eine große Koalition, bestehend aus der CDU und der Schwesterpartei CSU sowie der SPD.

Diese haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, einen Mindestlohn für Azubis einzuführen. Dieser soll demnach im Bildungsgesetz bis spätestens August 2019 verankert werden. Offiziell in Kraft tritt er dann ab dem 01.01.2020 und gilt flächendeckend für Azubis in ganz Deutschland. Damit versprechen sich die Parteien eine massive Belebung des dualen Ausbildungssystems. Auf einen genauen Betrag haben sich die Parteien bisher nicht geeinigt.

Änderungen betreffen nicht nur den Mindestlohn für Azubis

Hintergrund ist der strukturelle Wandel in Deutschland. Immer mehr Jugendliche entscheiden sich lieber für ein Studium und nicht mehr für einen dualen Ausbildungsberuf. Jedoch brechen ca. ein Drittel aller Studenten ihr Bachelorstudium vorzeitig ab. Gleichzeitig sind mehrere Zehntausend Lehrstellen unbesetzt, was ein Problem für die Ausbildungsbetriebe darstellt.

Arbeitsmarktanalysten bezeichnen dieses Dilemma als Passungsproblem. Beispielsweise lässt sich manchmal der Arbeitsort nicht vermitteln, manchmal verfügen die Bewerber nicht über den passenden Schulabschluss, beziehungsweise über die passenden Noten und manchmal ist der Beruf und das gezahlte Gehalt für die Jugendlichen schlicht nicht attraktiv genug. Das soll sich nun ändern.

Den Mindestlohn für Azubis zu ändern ist dabei nur ein Teil des Vorhabens der großen Koalition. Demnach soll in Schulen, speziell in Gymnasien bessere Aufklärungsarbeit geleistet werden, damit die Vorzüge einer Ausbildung besser zu Geltung kommen. Außerdem plant man, die „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ aufzustocken, um Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen und die Ursachen eines Abbruchs bekämpfen zu können.

Deutscher Gewerkschaftsbund springt auf Zug auf

Als Reaktion darauf fordert nun auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen bundesweiten Mindestlohn für Auszubildende in Höhe von mindestens 635 Euro im ersten Lehrjahr. Im zweiten Jahr soll das Gehalt auf 696 Euro im Monat ansteigen. In den darauffolgenden Jahren beträgt das monatliche Ausbildungsgehalt 768 Euro und dann 796€.

Der DGB erhofft sich davon ebenfalls, dass in Zukunft weniger Lehrlinge ihre Ausbildung abbrechen. Laut dem Gewerkschaftsbund hängt dies stark vom monatlich bezogenen Ausbildungsgehalt ab. Zudem sollen sich die Azubis mehr wertgeschätzt fühlen. „Azubis sind kommende Fachkräfte und nicht billige Arbeitskräfte“, so die stellvertretende Vorsitzende der DGB, Elke Hannack.

Unterschiedliche Auswirkungen

Speziell im Handwerk hätte eine tatsächliche Einführung des Mindestlohn für Azubis unterschiedlich große Folgen. Während einige Berufe bereits wesentlich mehr als den geplanten Mindestlohn bezahlen, gibt es Berufe, in denen die Lehrlingsbetriebe weit mehr bezahlen müssten als momentan. Zwei gute Beispiele sind hier die Maurer, mit einem Gehalt von 680-760€ im ersten Ausbildungsjahr und dem Tischler, der nur 480-595€ im ersten Ausbildungsjahr erhält.

In anderen Branchen und Berufen ist die Situation aus Sicht der Auszubildenden sogar noch prekärer. Fotografen verdienen beispielsweise lediglich 240-310 Euro im ersten Lehrjahr. Bei Sozialversicherungsfachangestellten bekommt man im ersten Ausbildungsjahr bereits 1.005 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Die Schiene zwischen gut bezahlten Ausbildungsberufen und schlechter bezahlten ist demnach aktuell sehr hoch.

Alles in allem sollen laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund rund 162.000 Jugendliche von dem Mindestlohn für Auszubildende profitieren. Dies wäre zudem ein weiterer Schritt, um die Wahl einer Ausbildung anstatt beispielsweise eines Studiums zu fördern und die Jungen Menschen dazu zu bekräftigen.

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