Handwerk 4.0 – Chance oder Risiko?

handwerk 4.0 - hier sieht man Schienen.Die Digitalisierung im Handwerk – auch Handwerk 4.0 genannt – schreitet immer weiter voran. Mehr und mehr Unternehmen springen auf diesen Zug und setzen diesbezüglich Maßnahmen um. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat des deutschen Handwerks (ZDH) besitzen bereits 95% der 504 befragten Handwerksbetriebe eine eigene Website. 26% sind zudem in sozialen Netzwerken vertreten.

Trotzdem gibt es immer noch viele Betriebe, die sich dem digitalen Wandel verweigern. Hierfür gibt es mehrere Gründe. So bekunden beispielsweise rund 77% der befragten Unternehmen eine gewisse Sorge um die IT-Sicherheit und den Datenschutz in ihrem Unternehmen. 73% geben hohe Investitionskosten als wichtigsten Faktor einer nicht abgeschlossenen Digitalisierung an. Eine Reihe von weiteren Gründen lässt sich einfach zusammenfassen. Die meisten Handwerker sind in Sachen EDV weniger gut ausgebildet (67%) und es besteht immer noch ein gewisser Respekt gegenüber digitalen Technologien (64%). Zusätzlich fürchten sie eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Einzelhandel, in dem mittlerweile Konzerne wie Amazon eine große Bedrohung vor allem für kleine Unternehmen der Branche darstellen.

Doch was genau hält diese Unternehmen davon ab, ihren Betrieb zu digitalisieren? Und verhält sich die Digitalisierung tatsächlich genauso wie im Einzelhandel? Diese und weitere Fragen möchten wir einmal aufklären.

 

Der Wechsel zum Handwerk 4.0 bietet bereits jetzt einen großen Mehrwert

Aktuell mangelt es dem Handwerk zwar meist noch an IT-Kompetenzen. Mittlerweile gibt es jedoch einige leicht umzusetzende Maßnahmen mit denen man viel Zeit und Geld spart. Entgegen dem allgemeinen Glauben kann man diese auch ohne die Hilfe von ausgebildeten IT-Fachkräften problemlos umsetzen.

Die Reduzierung von Bürokratie ist einer dieser Maßnahmen. Hiermit sind speziell Handwerkersoftware und andere Branchensoftware gemeint, mit denen man dem unnötigen Papierverbrauch sowie Archivierungszeiten entgegenwirkt. Beispielsweise kann man auf eine Online-Zeiterfassung umsteigen, anstatt die anfallenden Arbeitszeiten weiterhin mit Stundenzetteln zu erfassen. Außerdem können heutzutage sämtliche Angebotskalkulationen per Email verschickt werden, wodurch das unnötige Verschwenden von Papier und Druckpatronen vermieden wird.

Eine weitere Maßnahme ist die Kommunikation via Smartphone. Im Rahmen der Digitalisierung im Handwerk hat diese Neuerung schon länger Bestand. Durch die direkte Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist eine schnellere Problembewältigung möglich. Außerdem ist der Chef bzw. der jeweilige Vorgesetzte immer sofort über das aktuelle Tagesgeschehen informiert.

Zusätzlich kann man Medien wie etwa Bilder oder Videos von Einsatzgebieten versenden um die Problemlösung zu beschleunigen und dem Kunden schnellstmöglich zu helfen.

 

Digitalisierung kann zukünftig in vielen Bereichen einen großen Mehrwert bieten

Vor allem im Handwerk gibt es in Zukunft einige positive Aspekte der Digitalisierung. Gefährliche oder monotone Arbeit, die aktuell noch von Menschen ausgeführt wird, kann in Zukunft von klug programmierten Robotern erledigt werden. Das spart Zeit und verringert die Wahrscheinlichkeit häufig auftretender Arbeitsunfälle.

Drohnen werden in den kommenden Jahren ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, da sie vielseitig einsetzbar sind. Dachdeckerfirmen können dank modernster Drohnen-Technik ein ganzes Dach ausmessen und so den genauen Materialbedarf ermitteln. Dabei wird jeder einzelne Ziegelstein gezählt und eine Fehlkalkulation gehört immer mehr der Vergangenheit an. Außerdem werden Drohnen in Zukunft besonders für den Gütertransport eingesetzt. Auf diese Weise werden Produkte schneller zum Kunden geliefert und zusätzlich die Umwelt geschont, da weniger CO2-belastenden LKWs im Einsatz sind.

Die dritte wichtige Neuerung im Rahmen der Digitalisierung sind 3D-Drucker. So gehen bereits jetzt rund 49% der befragten Unternehmen davon aus, dass diese im Jahr 2030 ein fester Bestandteil im Handwerk sein werden. Dank ihnen lassen sich genaue Modelle von geplanten Häusern, Dächern oder sogar Möbeln erstellen. So kommt es seltener zu Missverständnissen zwischen dem Kunden und dem Unternehmen­, da beide Parteien an der Erstellung des 3D-Models beteiligt sind und sich das Unternehmen im Anschluss nur noch an das letztendliche Modell halten muss.

 

Handwerk 4.0 ist ein unaufhaltsamer Prozess, dem man sich so schnell wie möglich anschließen sollte

Die große Mehrheit aller befragten Unternehmen (69%) sehen das Handwerk 4.0 als Chance für ihr Unternehmen und nicht als Risiko (9%). Genau das ist auch der Richtige Ansatz.

Anders als im Einzelhandel können spezielle handwerkliche Fähigkeiten nicht komplett durch künstliche Intelligenz oder reine Online-Präsenz erbracht werden.

Existierende Software ist meist zu komplex was kleinere Handwerksbetriebe, die keinen eignen EDV-Mitarbeiter haben vor Probleme stellt. Die Lösung wären Mitarbeiter, die handwerkliches Geschick und gute EDV-Kenntnisse vereinen. Diese sind jedoch sehr rar. Neben einfach zu bedienender Software  gilt es dies in Zukunft zu verbessern

Bereits jetzt bieten die Berufsschulen bundesweit zusätzlich zur Vermittlung von handwerklichen Kenntnisse auch EDV-Kurse an, um die Heranwachsenden so gut wie möglich auf die zukünftige Digitalisierung vorzubereiten. Hierdurch ergibt sich sogar ein aktueller positiver Nebeneffekt: Azubis, die derlei Kurse in den Berufsschulen absolvieren können den digital unerfahrenen Mitarbeiten Kenntnisse übermitteln, wovon letztendlich die ganze Branche profitiert

Zusätzlich sollten viele Unternehmen gezielt in digitale Fort- und Weiterbildung für ihre Mitarbeiter investieren, was laut der aktuellen Bitkom Studie bereits rund 30% der befragten Arbeitgeber tun.

Passend dazu bemühen sich die Handwerksbetriebe, auf dem aktuellen Stand zu bleiben, was Hard- und Software angeht. Die Unternehmer gaben hierzu an, dass sie im Jahr 2016 rund 1460 Euro für die Anschaffung von Computern, Smartphones und Software ausgegeben haben und für das Jahr 2017 ein Betrag von 2210 Euro einplanen. Das entspräche einer Steigerung von rund 150%. Abschließend lässt sich sagen, dass zwar noch ein paar Hürden für das Handwerk 4.0 zu meistern sind. Die Weichen hierfür sind aber definitiv gestellt.

Von einer ähnlichen Entwicklung wie im stationäre Einzelhandel ist in Zukunft definitiv nicht auszugehen.

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